Update: “Dornröschen tanzt” – Bundesnetzagentur veröffentlicht MiSpeL
Am 01.10.20206 hat die Bundesnetzagentur die finale Fassung der Festlegung zur Marktintegration von Speichern und Ladepunkten (MiSpeL) beschlossen und diese am 07.10.2026 in ihrem Amtsblatt veröffentlicht. Damit findet das seit 2025 laufende Festlegungsverfahren nun seinen Abschluss.
Mit dem treffenden Bild „Dornröschen tanzt“ umschreibt die Bundesnetzagentur dabei das Ziel der Festlegung, nämlich Speicher und Ladepunkte aus dem Dornröschenschlaf zu erwecken. Für Betreiber von Speichern, EE-Anlagen und bidirektionalen Ladepunkten bringt die Festlegung vor allem mehr Anwendungsfälle, neue Vereinfachungen bei den Messkonzepten und eine Reihe von Anpassungen bei der Berechnung der privilegierten Strommengen.
Für eine Übergangszeit bis zum 30.09.2027 kommt die Festlegung zunächst nur zur Anwendung, wenn Netzbetreiber und Messstellenbetreiber einverstanden sind. Ab 01.10.2027 sind die Regelungen dann verbindlich. Die Pauschaloption darf unabhängig davon erst nach beihilferechtlicher Genehmigung durch die EU-Kommission angewendet werden, die bislang nicht vorliegt.
Größerer Anwendungsbereich für Speicher und Ladepunkte
Eine der wesentlichen Änderungen: Die MiSpeL-Regelungen gelten künftig nicht mehr nur für Speicher, die mit EEG-geförderten Erzeugungsanlagen kombiniert sind. Die Abgrenzungsoption kann nun auch bei ungeförderten Erzeugungsanlagen sowie bei Speichern und Ladepunkten ohne zusätzliche Erzeugungsanlage genutzt werden. Auch die Pauschaloption wurde auf Konstellationen mit ausschließlich ungeförderten Solaranlagen erweitert.
Für Betreiber von Batteriespeichern bedeutet dies, dass die MiSpeL-Systematik auch bei reinen Speichern beziehungsweise bei Speichern in Kombination mit ungeförderten Erzeugungsanlagen genutzt werden kann. Das erweitert den Kreis der Anlagen, bei denen eine getrennte Behandlung von privilegierten und nicht privilegierten Strommengen relevant werden kann.
Bidirektionale Ladepunkte werden ausdrücklich einbezogen
Besonders praxisrelevant ist die Aufnahme bidirektionaler Ladepunkte. Die Bundesnetzagentur behandelt diese im Grundsatz wie Stromspeicher. Damit können die MiSpeL-Regelungen auch auf Vehicle-to-Grid- und Vehicle-to-Home-Konstellationen angewendet werden.
Für Betreiber und Vermarkter ist dabei vor allem eine Vereinfachung wichtig: Maßgeblich ist grundsätzlich der Ladepunkt, nicht das einzelne Elektrofahrzeug. Ein gesonderter Zähler im Fahrzeug ist daher nicht erforderlich.
Auch bei der Messung hat die Bundesnetzagentur nachgebessert. In bestimmten Konstellationen reicht künftig ein einziger Zähler aus. Dies gilt etwa für Ladepunkte beziehungsweise Speicher ohne weitere Erzeugungsanlage. Damit können zusätzliche Messkosten und komplexe Messkonzepte vermieden werden.
Abgrenzungsoption: künftig monatliche Betrachtung
Für Anlagenbetreiber und Direktvermarkter wichtig ist außerdem die Umstellung bei der Abgrenzungsoption. Während der ursprüngliche Entwurf noch eine Jahresbetrachtung vorsah, werden die relevanten Strommengen nun grundsätzlich monatlich ermittelt. Die Messung und Bilanzierung bleiben dagegen viertelstündlich.
Damit wird die Systematik näher an den tatsächlichen Betriebszustand eines Speichers herangeführt. Änderungen während des Jahres – etwa die Inbetriebnahme eines Speichers oder Ladepunkts – können dadurch sachgerechter berücksichtigt werden.
Für die Pauschaloption bleibt es dagegen grundsätzlich bei der kalenderjährlichen Betrachtung.
Mehr Auswahl bei den Messkonzepten
Die finale Festlegung enthält insgesamt deutlich mehr Mess- und Berechnungsvarianten als der ursprüngliche Entwurf. Die Bundesnetzagentur verfolgt dabei einen Baukastenansatz. Neben den Grundfällen werden unter anderem Konstellationen mit mehreren Erzeugungsanlagen, Wärmepumpen, Drittverbräuchen und unterschiedlich umlagepflichtigen Strommengen berücksichtigt.
Für Anlagenbetreiber und Direktvermarkter bedeutet dies vor allem: Das passende Messkonzept muss künftig stärker anhand der konkreten Anlagenkonstellation ausgewählt werden. Ein auf den ersten Blick einfacheres Konzept kann dabei mit einer geringeren Genauigkeit oder dem Verzicht auf bestimmte Privilegierungen verbunden sein.
Übergangsfrist für die Umsetzung
Die Festlegung tritt am 21.10.2026 in Kraft. Für die praktische Umsetzung gibt es allerdings eine Übergangsphase. Bis zum 30.09.2027 kann die MiSpeL-Festlegung grundsätzlich nur mit Zustimmung des jeweiligen Netzbetreibers und Messstellenbetreibers angewendet werden. Die Marktteilnehmer haben damit Zeit, bestehende Mess- und Abrechnungskonzepte anzupassen.
Die Pauschaloption kann zudem erst genutzt werden, wenn die hierfür erforderliche beihilferechtliche Genehmigung der Europäischen Kommission vorliegt.
Fazit: Mehr Anwendungsfälle, aber auch mehr Auswahl
Mit der endgültigen MiSpeL-Festlegung erweitert die Bundesnetzagentur den Anwendungsbereich deutlich und schafft insbesondere für Speicher und bidirektionale Ladepunkte neue Möglichkeiten. Gegenüber dem ursprünglichen Entwurf wurden die Berechnungsregeln an zahlreichen Stellen nachgeschärft und um vereinfachte Messkonzepte ergänzt.
Damit wird die MiSpeL-Festlegung zwar umfangreicher, zugleich aber auch flexibler. Für Anlagenbetreiber und Direktvermarkter dürfte die zentrale Frage künftig weniger lauten, ob ein Speicher oder Ladepunkt in die MiSpeL-Systematik einbezogen werden kann, sondern vielmehr, welche der verschiedenen Abgrenzungs- und Pauschalvarianten für die konkrete Anlage wirtschaftlich und messtechnisch sinnvoll ist.
Meldung vom 24.08.2026
Update: Neuer Arbeitsstand zur MiSpeL-Festlegung veröffentlicht
Nachdem die Bundesnetzagentur vor einem knappen Jahr den Festlegungsentwurf für die Marktintegration von Speichern und Ladepunkten (MiSpeL) veröffentlichte (wir berichteten, hier), ist seit dem 05.08.2026 ein aktueller Arbeitsstand (Az.: 618-25-02, abrufbar hier), verfügbar.
Worum geht es?
Im Februar 2025 hatte der Gesetzgeber im Rahmen des sog. Solarspitzengesetzes das strenge Ausschließlichkeitsprinzip für mit erneuerbaren Energien geladene Stromspeicher gelockert. Mit zwei neu hinzugefügten Optionen – Abgrenzungsoption und Pauschaloption – soll künftig auch eine gemischte Nutzung von Stromspeichern möglich sein, also eine Einspeicherung sowohl von EE-Strom als auch von Netzstrom. Voraussetzung für die Nutzung dieser Optionen ist jedoch eine entsprechende Festlegung der Bundesnetzagentur.
Hier kommt die sog. MiSpeL ins Spiel: Die Bundesnetzagentur ist gem. § 85d EEG 2023 verpflichtet, eine Festlegung zu den Anforderungen an die Bestimmung und den Nachweis förderfähiger Strommengen im Sinne der sog. Pauschal- und sog. Abgrenzungsoption sowie die Bedingungen für eine erstmalige Geltendmachung oder einen Wechsel in diese Optionen zu treffen.
Konsultationsvorschläge größtenteils berücksichtigt
Die neueste Veröffentlichung der Regulierungsbehörde besteht aus drei Dokumenten – dem aktuellen Arbeitsstand zum Tenor, zur Abgrenzungs- und zur Pauschaloption. Die Bundesnetzagentur hat nach eigener Aussage zahlreiche Vorschläge aus der Konsultationsphase in den aktualisierten Entwurf einfließen lassen.
So wurde insbesondere die Saldierung der saldierungs- und förderfähigen Strommengen auf eine kalendermonatliche Periode umgestellt. Im ursprünglichen Entwurf erfolgte die Bestimmung noch rein jahresbezogen. Außerdem wurde die Festlegung um verschiedene Fallkonstellationen (u.a. Konstellationen ohne geförderte EE-Anlagen) ergänzt und die Formelsätze zur Zuordnung und Verrechnung von Strommengen bei der Abgrenzungsoption angepasst.
Wie geht es weiter?
Das Verfahren soll nun, ohne erneute Konsultation, „schnellstmöglich“ abgeschlossen werden, da die Festlegungsfrist schon am 30.06.2026 abgelaufen ist. Die MiSpeL-Festlegung soll nun am 01.10.2026 bekanntgegeben und damit wirksam werden.
Allerdings sind die Vorgaben zur Inanspruchnahme von Umlageprivilegien und Marktprämienzahlungen im Rahmen der Pauschaloption (§ 19 Abs. 3c EEG 2023) frühestens nach Erteilung der beihilferechtlichen Genehmigung durch die Europäischen Kommission anwendbar. Auch die Marktkommunikationsprozesse müssen neu abgestimmt werden. Die Festlegung soll deshalb innerhalb einer Übergangsphase bis zum 30.09.2027 nur mit dem Einverständnis der jeweiligen Netz- und Messstellenbetreiber anwendbar sein, die die Regelungen noch technisch umsetzen müssen.
Betreiber großer Batteriespeicher tun dennoch gut daran, ihre Anlagen bereits jetzt mit entsprechenden Messsystemen auszustatten und zu überprüfen, ob ihre Direktvermarktungsstruktur ggf. angepasst werden muss, um die Regelungen zur „MiSpeL“ umgehend in Anspruch nehmen zu können, sobald diese vorbehaltlos anwendbar sind. Wir beraten Sie gern und halten Sie auf dem Laufenden.
Meldung vom 22.10.2025
Bundesnetzagentur veröffentlicht Entwurf zur MiSpeL – Erweckung der Speicher aus dem Dornröschenschlaf?
Manch einer mag bei der Mispel wohl an einen Baum mit apfelförmigen Früchten denken. Beim Festlegungsentwurfs „MiSpeL“ der Bundesnetzagentur (Az.: 618-25-02, abrufbar hier) geht es jedoch um etwas anderes. In dem am 18.09.2025 veröffentlichten Entwurf steht die Abkürzung MiSpeL für die „Marktintegration von Speichern und Ladepunkten“.
Speicher trotzen aktuell dem Marktpreis
Sinn und Zweck der Festlegung ist es, insbesondere Heimspeicher aus dem „Dornröschenschlaf zu erwecken“. Denn bislang fallen Batteriespeicher in Kombination mit einer EE-Anlage nur unter die EEG-Förderung, wenn sie ausschließlich mit Strom aus erneuerbaren Energien betrieben werden. Beim Netzstrombezug zur Speicherung entfällt die Förderfähigkeit jedoch infolge dieses sog. Ausschließlichkeitsprinzips. Auch ist die Nutzung von Ladepunkten zur Zwischenspeicherung war bisher von vorneherein ausgeschlossen.
Das führt dazu, dass Stromspeicher überwiegend nach dem starren Prinzip „produce and forget“ genutzt werden. So kann es sein, dass ein solargespeister Speicher morgens trotz hoher Preise keinen Strom ins öffentliche Netz abgibt. Dagegen speist er mittags trotz niedriger Preise ein, da er zu dieser Zeit vollgeladen ist. Damit reagieren Speicher derzeit nicht auf die Marktpreisentwicklung, wodurch ihre Flexibilitätspotentiale verschenkt werden. Dies soll nun geändert werden, da sowohl betriebswirtschaftliche Vorteile mit der Marktteilnahme einhergehen als auch durch die Markt- und Systemintegration des EE-Stroms u.a. die Dämpfung von temporären Erzeugungsüberschüssen (Stromspitzen) erzielt werden kann.
Gesetzliche Grundlage bereits vorhanden
Zu diesem Zweck wurde bereits mit Verabschiedung des Gesetzes zur Änderung des Energiewirtschaftsrechts, sog. Solarspitzengesetz, im Februar dieses Jahres aus dem Ausschließlichkeitsprinzip die sog. Ausschließlichkeitsoption (§ 19 Abs. 3a EEG 2023) gemacht und um die Abgrenzungsoption (§ 19 Abs. 3b EEG 2023) sowie die Pauschaloption (§ 19 Abs. 3c EEG 2023) ergänzt. Letztere zielen darauf, die gemischte Nutzung von Stromspeichern zu ermöglichen, in denen sowohl EE-Strom als auch Strom aus dem öffentlichen Netz eingespeichert werden kann.
Auf diese Weise soll ein marktorientierter Betrieb des Speichers mit Netzbezug, Netzeinspeisung und Eigenverbrauch unter anteiliger Erhaltung der EEG-Förderung und Saldierung von Netzumlagen angereizt und damit wirtschaftlich attraktiver gestaltet werden. Für die Abgrenzungsoption müssen die Strommengen durch viertelstündliche Messwerte abgegrenzt werden, d.h. diese Option erfordert ggf. (mess-)technischen Aufwand. Bei der Pauschaloption wird dieser Prozess für bestimmte Konstellationen mit Solaranlagen mit installierter Leistung bis 30 kW durch pauschale gesetzliche Grenzen vereinfacht. Dazu werden gewisse Rahmenumstände und Größenordnungen bestimmt, die die Grenze von förderfähigem Strom markieren. Sowohl Abgrenzungs- als auch Pauschaloption umfassen erstmals die grundsätzliche Förderfähigkeit von Ladepunkten für Elektroautos, die diesbezüglich Stromspeichern gleichgestellt werden.
Was regelt die Festlegung zur MiSpeL?
Damit diese Möglichkeiten jedoch in der Praxis umgesetzt werden können, muss die Bundesnetzagentur auf Grundlage ihrer neuen Befugnisse aus § 85d EEG 2023 eine diesbezügliche Festlegung erlassen. Mit Veröffentlichung des MiSpeL-Entwurfes hat der Festlegungsprozess nun begonnen.
Die Anlage 1 des Entwurfes vom 18. September 2025 (abrufbar hier) bezieht sich auf die Abgrenzungsoption und berücksichtigt verschiedene Fallkonstellationen, für die sie die jeweiligen mathematischen Berechnungswege und messtechnische Anforderungen zur Ermittlung des förderfähigen Stroms festsetzt. Die Anlage 2 des Entwurfes (abrufbar hier) bezieht sich auf die Pauschaloption und regelt auch diesbezüglich die Voraussetzungen für ihre Inanspruchnahme in verschiedenen Fallkonstellationen.
Damit ist die Abgrenzungsoption durch den hohen organisatorischen Aufwand vor allem für Betreiber mehrerer oder größerer Anlagen geeignet, während sich die Pauschaloption eher für Privathaushalte und kleinere Anlagen (schon allein durch die Begrenzung auf 30 kW installierte Leistung) anbietet. Ein Wechsel zwischen Abgrenzungs- und Pauschaloption ist allerdings grundsätzlich möglich.
Ausblick
Die Festlegung soll mithin die Details zur Messung und Feststellung der förderfähigen Netzeinspeisung klären und damit die Umsetzung der Regelungen des Solarspitzengesetzes in der Praxis konkretisieren. Gem. § 85d EEG 2023 hat die Bundesnetzagentur noch bis zum 30.06.2026 für die Verabschiedung der Festlegung Zeit. Stellungnahmen zu dem aktuellen Entwurf sind noch bis zum 24.10.2025 möglich.
Die Festlegung würde den Betrieb von Speichern und Ladepunkten durch die Marktorientierung wirtschaftlich attraktiver machen und könnte auch dabei helfen, temporäre Netzengpässe besser abzufedern. Die Nutzung der neuen Optionen wird aber erst möglich sein, nachdem die Festlegung zur MiSpeL rechtskräftig geworden und beihilferechtlich genehmigt worden ist. Speicher- und Ladepunktbetreibern ist jedoch zu raten, sich auf die Neuerungen vorzubereiten und ggf. schon jetzt geeignete Messsysteme zu installieren. Wir beraten Sie gern und halten Sie auf dem Laufenden.